Reform der Vaterschaftsanfechtung: Neue Chancen für leibliche Väter

Was Männer und Väter jetzt wissen sollten

Die Reform der Vaterschaftsanfechtung soll erhebliche Änderungen für Männer, die rechtlicher Vater ihres leiblichen Kindes werden möchten, bringen. Besonders für leibliche Väter, denen dies bisher rechtlich kaum möglich war, eröffnen sich neue Handlungsoptionen.

Wenn Sie darüber nachdenken, eine bestehende Vaterschaft anzufechten oder prüfen möchten, ob ein früher abgelehnter Fall neu bewertet werden kann, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine strategische rechtliche Prüfung.

Dieser Beitrag erläutert die Reform verständlich, sachlich und praxisnah – mit Blick auf Ihre rechtlichen Möglichkeiten.

1. Warum wird die Vaterschaftsanfechtung reformiert?

Im April 2024 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die bisherigen Regelungen zur Vaterschaftsanfechtung verfassungswidrig sind. Die damalige Rechtslage benachteiligte insbesondere leibliche Väter.

Bislang galt häufig:

Besteht eine soziale Familie, bleibt der rechtliche Vater Vater – unabhängig von der biologischen Abstammung.

Für viele leibliche Väter bedeutete das:

  • keine realistische Chance, rechtlicher Vater zu werden

  • selbst dann nicht, wenn sie Verantwortung übernehmen wollten

Der Gesetzgeber ist verpflichtet, diese Regelungen bis spätestens 2026 neu zu gestalten. Ein entsprechender Gesetzentwurf des Bundesministeriums der Justiz liegt bereits vor. Auch wenn dieser noch nicht verabschiedet ist, zeigt er klar die künftige Richtung.

2. Rechtlicher Vater und leiblicher Vater – eine zentrale Unterscheidung

Rechtlicher Vater

  • ist gesetzlich als Vater anerkannt oder festgestellt

  • steht in der Geburtsurkunde

  • hat Unterhalts-, Sorge- und Umgangspflichten und -rechte

  • ist Vater im rechtlichen Sinne, unabhängig von der Biologie

Leiblicher Vater

  • ist der biologische Erzeuger des Kindes

  • besitzt keine automatischen Rechte, solange keine rechtliche Vaterschaft besteht

Entscheidend:
Nicht die biologische Abstammung, sondern die rechtliche Zuordnung bestimmt bislang die Vaterrolle. Genau hier setzt die Reform an.

3. Die zentrale Neuerung: Interessenabwägung statt Automatismus

Die Reform möchte den bisherigen Automatismus zugunsten des rechtlichen Vaters beenden.

Künftig sollen die Interessen von

  • Kind,

  • rechtlichem Vater und

  • leiblichem Vater

gleichwertig berücksichtigt und abgewogen werden.

Das würde konkret bedeuten:
➡ Das Vaterschaft anfechten wird für leibliche Väter rechtlich realistischer.

4. Strategisch wichtig: Was bedeutet die Reform für leibliche Väter?

4.1 Vaterschaft anfechten in den ersten 6 Monaten

In den ersten sechs Lebensmonaten des Kindes soll davon ausgegangen werden, dass noch keine verfestigte soziale Vater-Kind-Bindung besteht.

➡ Sind Sie der biologische Vater, würden so sehr gute Erfolgsaussichten bestehen, die bestehende Vaterschaft anzufechten und selbst rechtlicher Vater zu werden.

4.2 Vaterschaft anfechten nach 6 Monaten – neue Ausnahmen

Auch nach Ablauf der sechs Monate soll eine Anfechtung möglich sein, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, etwa wenn:

  • Sie bereits eine Beziehung zum Kind hatten oder aufbauen wollten

  • diese Beziehung ohne Ihr Verschulden beendet oder verhindert wurde

  • Sie sich nachweisbar ernsthaft um Kontakt bemüht haben

  • ein Ausschluss der Anfechtung grob unbillig wäre

➡ Damit sollen Fälle erfasst werden, die bislang rechtlich ausgeschlossen waren.

4.3 Neue Kindeswohlprüfung – strategisch entscheidend

Greift eine dieser Ausnahmen, soll eine neue Beweislastverteilung gelten:

Der rechtliche Vater soll darlegen, warum es für das Kindeswohl zwingend erforderlich ist, dass er rechtlicher Vater bleibt.

Diese Hürde ist hoch und wird die strategische Ausgangslage erheblich verändern.

4.4 Keine endgültige Frist mehr bei stabilen Familien

Solange das Kind in einer stabilen sozialen Familie lebt, soll die Anfechtungsfrist ruhen.

➡ Zerbricht diese Familie später, soll die Vaterschaft auch Jahre danach noch angefochten werden können.

4.5 Wiederaufnahme früher abgewiesener Verfahren

Wurde Ihre Anfechtung in der Vergangenheit allein deshalb zurückgewiesen, weil eine soziale Familie bestand?

➡ Diese Entscheidungen könnten unter Umständen neu überprüft werden.

5. Auswirkungen auf rechtliche Väter und Mütter

Rechtliche Väter

  • bleiben geschützt, aber nicht mehr automatisch

  • müssten im Streitfall aktiv das Kindeswohl darlegen

  • einvernehmliche Vaterwechsel würden erleichtert werden (mit DNA-Nachweis und Zustimmung aller Beteiligten)

Mütter

  • Einführung einer Anerkennungssperre während laufender Verfahren

  • Kinder ab 14 Jahren sollen der Vaterschaft selbst zustimmen müssen

6. Fazit: Jetzt strategisch prüfen lassen

Die Reform der Vaterschaftsanfechtung möchte neue rechtliche Möglichkeiten schaffen – es entstehen aber auch neue Risiken. Viele Konstellationen, die früher als aussichtslos galten, müssten nach der Reform neu bewertet werden.

Gerade beim Thema Vaterschaft anfechten käme es auf:

  • den Zeitpunkt

  • frühere Kontakte

  • dokumentierte Bemühungen

  • familiäre Entwicklungen

an.

Treffen Sie keine Entscheidungen ohne rechtliche Prüfung.
Im Familienrecht sind es häufig Details, die den Ausschlag geben.

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Gerne prüfe ich Ihre persönliche Situation und entwickle mit Ihnen eine klare rechtliche Strategie.

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